WARUM BERGSPORT?

Natur und Bewegung hat mich schon immer sehr interessiert und wo kann man schönere Abenteuer erleben als in der Vielfalt des Bergsports. Ob beim Klettern in hohen Wänden, beim Skitourengehen durch eine Winterlandschaft oder bei einer Hochtour über den Gletscher. Der Bergsport bietet für mich eine wunderbare Möglichkeit neue Erfahrungen zu machen, neue Menschen kennenzulernen und mir bewusst zu machen, warum ich hier bin bzw. welche Dinge sind im Leben essentiell. Er gibt mir eine Richtung im Leben vor und wirkt sich wie ein roter Faden auf Urlaubswahl, Autokauf (& Auto-Umbau), Kleiderkasten, Garagen-Abteil und Wochenendplanung aus. Auch die Motive im Bergsport haben sich für mich in den letzten Jahren geändert. Während in meiner Sturm und Drang Zeit, das "Immer-Weiter-Höher" im Vordergrund stand, verbinde ich mittlerweile mit den Bergen eine andere Dimension.

Berge geben Kraft - zeigen uns Schönheit, Vergänglichkeit und manchmal auch Leid. Vorallem zeigen sie uns wie machtlos und zerbrechlich der Mensch im Vergleich zu ihnen ist und das wir nicht alles berechnen, quantifizieren und kontrollieren können. In einer wachstumsorientierten Leistungsgesellschaft, die sich im Denken und Tun verliert, sowie in einer digitalen Irrsinns-Welt, einer Abkehr von Natur, Körper und Seele, bekommen ganz einfache Dinge wieder einen Wert. Um es mit den Worten des Bergbischofs Reinhold Stecher zu sagen: "Viele Wege führen zu Gott, einer führt über die Berge!"

 

Oberstes Credo bei unseren Touren ist, dass wir sie selbst planen, organisieren und durchführen können. 

Dadurch übernimmt man für seine Handlungen die Verantwortung und lernt seine Grenzen kennen bzw. richtig einschätzen. Um eine gewisse Struktur in meinem Blog zu bekommen, versuche ich nur über Touren zu berichten deren Schwierigkeitsgrad & Schlüsselstellen ich selber meistern kann. Sprich Touren, wo ich von einem starken Partner als Seilzweiter nachgezogen werde, werden hier nicht erwähnt. Ich finde es wichtig anzusprechen, wie eine Begehung stattgefunden hat, jedoch soll die Freude und Begeisterung am "Erlebnis Berg" (egal welche Begehungsform) an erster Stelle stehen.

 

Ich selbst würde mich nicht als Professionalist beschreiben, sondern betreibe den Bergsport nur in meiner Freizeit. Ich bin weder ein leichtgewichtiger Bergläufer (der 4000Hm abspult) noch ein starker Kletterer in den oberen Graden, sondern würde mich in der Mitte als guten Allrounder klassifizieren, weshalb ich im kombinierten Gelände beide Fähigkeiten gut einsetzten kann. Mein Interesse gilt weniger dem Sport, sondern mehr dem Abenteuer und der Selbsterfahrung - das Ganze immer mit einer Portion Respekt und auch der Fähigkeit "Umdrehen zu können". Ich habe an vielen Ausbildungen des Alpenvereins teilgenommen und biete auch geführte Touren & Kurse an bzw. war auch ein paar Jahre im Bergsport-Großhandel tätig. Ebenfalls habe ich mich während meines Sportwissenschaftsstudiums eingehend mit Motiven, Darstellung und Wirkung des Risikosports beschäftigt.

 

Matterhorn Überschreitung 2016 (Liongrat & Hörnligrat / 3-5 Grad Fels)

 

Erfahrung im Bergsport:

Meine langjährige Auseinandersetzung mit der spezifischen Praxis und Literatur im Bergsport, sowie der Kontakt mit Profis & Bergführern hat mir gezeigt, dass in fast jeder Könnerstufe noch etwas dazugelernt werden kann. Bergsport baut sich leider nicht wie eine klassische Sportart über das reine Lernen einer Bewegungen auf. Ob man gewisse Techniken beherrscht, zeigt sich erst in der realen (Gefahren)Situation und nicht bei einem Kurs im Klettergarten. Bergsport ist äußerst komplex und das Lernprinzip "Vom Leichten zum Schweren" ist zwar eine Situation, die generell angestrebt wird, aber am Berg nicht immer funktioniert. Dann stellt sich heraus, dass  die Situation sehr schnell unkontrollierbar wird und Fehler gemacht werden. Dank einer guten Tourenplanung, genauen Partnerwahl und realistischen Selbsteinschätzung (Stop sagen und notfalls umdrehen), habe ich bis jetzt nur ein paar von diesen prickelnden Situationen erlebt. Gleichzeitig arbeiten am Berg die beiden Prinzipien "Sicherheit und Geschwindigkeit" meist gegeneinander. Auf langen Routen und hohen Bergen muss man sich schneller Bewegen und dieses geht oft nur mit einer bewussten Reduktion der Sicherheitsmaßnahmen. 

 

EXKURS: Bergsport ist nicht Wandern oder Sportklettern 

Ich wurde letztens wieder gefragt: „Der Normalweg auf den Großglockner ist doch zum Wander, weil es doch ein Weg ist, oder?“ Viele Profis verdienen ihr Geld um den Zuschauern ihre Abenteuer und Expeditionen  aus den Bergen dieser Welt mit Multivisionsvorträgen, Bildern und Videos zugänglich zu machen. Bergsteigen hat leider kein Stadion mit Zuschauerplätzen wie der Fußball. Es ist sehr schwierig dem Außenstehenden, die Schwierigkeiten einer Bergbegehung zu erklären. Am ehesten könnte man eine große Bergtour als Projekt betiteln. Es ist ja auch schwierig einem Außenstehenden die Details eines Flughafenbauprojekts zu erklären? Genau darin entstehen die Missverständnisse im Bergsport seitens des Laien und die Tagesmedien tragen nicht wirklich zu einer Verbesserung bei. Die mediale Systematik, dass ein Lawinentoter (bei allem Respekt zu diesen tragischen Situationen) mehr Content bekommt, als die vielen Motorrad und Autounfälle am Osterwochenende, ist sicherlich in den kulturellen und historischen Werten und Normen des Alpenraums zu suchen, da es sich dabei um eine unbewusste Heroisierung der Akteure handelt, welche im Zeitalter von "Good News/Bad News" und einer aufgezwungenen Pseudo-Bewertungskultur (Likes...) aufgegriffen wird?

 

„Risikoakteure sitzen an einer Tafel, an der sie nicht sitzen möchten… aber sie profitieren in einer subtilen Weise von der Existenz dieser Tafel.“ (Bette, 2004, S.123)

 

Man kann durchaus sagen, dass eine anspruchsvolle Bergtour von einem Profi mit Kondition, gutem Risikomanagement und Erfahrung relativ gefahrlos begangen werden kann, hingegen der Amateur schon bei einer leichten Wanderung sich unbewusst großen Gefahren aussetzen kann und dies gar nicht bemerkt (z.B. Wetterumschlag, Orientierung, Ausrutschen auf einer nassen-steilen Wiese, Umknöcheln). Die Bergrettung hat sehr oft Suchaktionen dieser Art, welche natürlich in keiner Zeitung stehen. Auch muss klar und deutlich gesagt werden, dass der Bergsport vom Risiko lebt und jeder Mensch ein Recht auf diesen Erfahrungs und Selbsterkenntnis Raum hat, sowohl hier die Gefährdung dritter (gerade im Winter) immer mitberücksicht werden muss. Die Reaktionen im Social Media in Bezug auf Bergrettungseinsätze, sind diesbezüglich nur ein weiterer Meilenstein der digitalen Affektverdummung, den auch das Scheitern (und Fehler machen) muss im Leben seinen Platz haben, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen. Jeder erfahrene Profi-Bergsportler/in hat einmal klein angefangen und sich seine Fähigkeiten über viele Jahre aufgebaut. Wenn man Null-Risiko haben möchte, dann geht man entweder Tischtennis spielen oder macht eben einen leichten Berg gemeinsam mit einem augebildeten Guide. Wer steile Anstiege und anspruchsvolle Touren ohne Guide bewältigen mag, möchte seine eigenen Grenzen ausloten. Risiko und Abenteuergeist sind eine wesentliche Triebfeder und unterscheiden das Bergsteigen von klassischen Sportarten. Natürlich kann auch ein erfahrener Bergsteiger nie alle Risiken komplett kalkulieren und ausschließen, gleichsam bewegt sich dieser viel öfter in dem Gefahrenraum Berg wodurch das Risiko wesentlich steigt.

 

Hier einige Aspekte die das sogenannte "Handwerk des Bergsports" umfassen:

  • Tourenplanung, Wegfindung, Wetterkunde, Kartenlesen, Lawinenkunde, Geländeeinschätzung, ...
  • Materialkunde, Sicherungstechniken, Knotenkunde, Notfallausrüstung...
  • Gute Selbsteinschätzung, Eigenkönnen, Kraft, Ausdauer (10-20h unterwegs sein können), Koordination, Trittfest... 
  • Hohe Aufmerksamkeit, Risikomanagment, Angstregulation, Gruppendynamik, Entscheidungsfindung...
  • Sportartenspezifische Fähigkeiten: Trittsicheres Bewegen in weglosem und kombinierten Gelände, Sicheres Überschreiten von Gletschern, Klettern in kombinierten (auch brüchigen) Gelände mit starker Neigung auf Fels/Schnee/Eis, Skitouren bzw. Ski-Hochtouren und Ski-Abfahrten im freiem Gelände...

Ich empfehle bei Unsicherheit auf jedenfall einen Profi (Bergführer oder AV-Guide) aufzusuchen, da eine geplante Tour relativ schnell in einem gefährlichen Disaster enden kann. 

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Mit bergsportlichen Grüßen,

MAG. GABRIEL ALEXANDER

Sporwissenschaftler, Sportlehrer, AV-Übungsleiter Alpinklettern, Sportklettern, Skitouren,  AV-Jugendleiter, Ski- / Snowboardlehrer

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