R.I.P Florian Thamer (07.07.1976 – 12.02.2017)

13.02.2017 09:37


„Jetzt fliegst du auf immer über uns und passt auf, dass uns nichts passiert!“

Wir kannten uns vom letzten Winter von der Kletterhalle Südwand. Ein paar Mal haben wir uns lustigerweise am Nandlgrat, am Schneebergplateau oder einmal in der Fischerhütte getroffen. Ein paar mal ist er mir mit dem Schirm vor der Nase davongeflogen. Ich verfolgte seine Hompage, wo er seine Touren akribisch dokumentierte. Auch bei meinen Touren bekam ich öfters von ihm Feedback. Mich faszinierte, dass ein Bergsportler aus Baden mit Familie, 2 Kinder, Job und ohne Bergführerausbildung, so ein Repertoire (Alpinklettern, Eisklettern, Para-Gliden…) und so eine große Tourenliste schaffen konnte. Abgesehen, dass er scheinbar dreimal in der Woche auf den Schneeberg ging um mit dem Schirm hinunter zu fliegen, versuchte er Touren wie die Ortler Nordwand, Matterhorn Nordwand, sowie sämtliche schwere Alpin-Klettertouren  zwischen Baden und Frankreich zu klettern. Das alles unter einen Hut zu bekommen lies einen schon erstaunen, zumal wir ja nicht gerade tief in den Bergen wohnen, sondern eher in Spießbürger-Hausen. Er verstand das Handwerk des Bergsteigens, jedoch steigt das Restrisiko natürlich auch mit der Anzahl der Touren. Ich konnte in der Kletterhalle Südwand ein paar mal mit ihm über die Hohe Wand fachsimpeln und versorgte damals noch als Hallenwart sein kleines Klapprad auf dem er gekommen war. Flo war jemand der andere begeistern konnte, in seinen Augen war die pure Freude am Bergsport.

 

Die Polarität, die man mit einem(r) Bergsportler(in) im Format von Florian Thamer als Freund(in), Partner(in) oder Ehemann/Frau teilt, ist sicherlich eine der schwersten Aufgaben - meine Gedanken dazu:

 


-Sie leben intensiv...

-Sie bergen den größten Schatz in sich...

-Sie haben das Handwerk den Naturgewalten zu trotzen…

-Sie wissen von der Schönheit der Ausgesetztheit…

-Sie sind immer auf der Suche nach dem Unbekannten...

-Sie haben es zu ihrem Streben gemacht, sich ihren Ängsten zu stellen...

-Sie sind die Getriebenen der sinnlosen Gipfel...

-Sie halten an ihren irrsinnigen Routen fest, nur um nach deren gelingen, den kurzen Moment des Loslassens auszukosten…

-Sie lieben das Leben und ihre Familie wie kein anderer…

-Sie kommen von ihren Touren heim und lassen uns an ihrer Freiheit und ihren Gedanken teilhaben...

 

Aber… 

-Sie schicken uns in die tiefste Verzweiflung, wenn sie nicht mehr heim kommen.

 

Manche mögen das verurteilen, jedoch ist es nicht wichtig, wie lang ein Leben ist, sondern wie man es gelebt hat. Florian Thamer hat intensiv gelebt. Er war uns scheinbar nicht nur im Leben ein Vorbild, sondern inspiriert viele Menschen auch noch jetzt, wie an den Wellen des Webs unweigerlich erkennbar ist. Er war kein bezahlter Profi-Bergsteiger mit Sponsoren - abgehoben - sondern er war einer aus unserer Bergsportmitte, den man am Parkplatz traf und der immer ein paar Tipps parat hatte. Er hat es verstanden nicht von oben herab auf andere zu schauen, die nicht sein bergsteigerisches Format hatten. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe die letzten Tage viel nachgedacht. Durch Florian Thamer habe ich nicht nur gelernt, wie man eine Alpinexpresse mit Bandschlinge schnell zusammenlegt oder das die EB-Platte eine super spannende Route ist (Er hat mir Mut gemacht, ich solle sie probieren), sondern auch: "Nichts ist selbstverständlich und jeder Tag und jede Begegnung ist besonders!"

 

Meine Gedanken sind bei seiner Familie.

Mein tiefstes Beileid…



 

 

"Thamer fliegt ganz hoch empor

und da stehn wir arme Tor.

Hat er uns wieder aufgezeigt,

wie grausam ist der Fadensteig."


 

 


Florian Thamer ist am 12.01.2017 beim Eisklettern am Ötscher tödlich verunglückt.

www.facebook.com/unserFlorian/?pnref=story

 www.thamer.at/

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