Presanella Nordwand

13.08.2017 14:14

(Rechte Variante „Schaumrolle“, 550m, 60 Grad)

 

„Eine Nordwand bekommt man nicht geschenkt!“

Diese Tour zählt sicherlich zu den absoluten Highlights in meinem Tourenbuch und damit meine ich nicht unbedingt den Genussfaktor. Obwohl die Presanella Nordwand im Tourenführer als durchaus leichte und „kurze“ Nordwandtour beschrieben ist, war es für uns als „Nordwand-Frischlinge“ eine durchaus ambitionierte Unternehmung. Ausgehend vom Refugio Denza, wo uns der Bergführer und Hüttenwirt Mirco Dezulian noch mit wichtigen Informationen versorgte (Gute Eisverhältnisse in der Nordwand), starteten wir um 3 Uhr früh Richtung Gletscher. Ein Labyrinth aus Spalten führte uns zum Einstieg der Rinne. Die ersten zwei Seillängen bestanden aus einer 60 Grad steilen Engstelle mit (leider massiver) Steinschlaggefahr. Gleich in der ersten Seillänge erwischte mich ein faustgroßer Stein am Oberarm. Nach einem kurzen moralischen Tief konnte ich mich wieder aufrappeln und die ersten beiden Seillängen im Blankeis mit je 60m vorsteigen. Das Setzen der Eisschrauben ging einwandfrei und den Stand konnten wir immer am seitlichen Rand der Eiswand bauen, wodurch man bequem sichern konnte. Karin stieg die dritte Seillänge vor und ich war froh, endlich aus dem Gefahrenbereich des Steinschlages herausgeklettert zu sein. Grund dafür ist die Erwärmung durch die Sonne, denn dadurch haben ursprünglich angefrorene Steine in der Wand keinen Halt mehr und fallen hinunter. Ein Grund warum Nordwandbegehungen in den Alpen meistens schon im Spätwinter oder hauptsächlich im Frühjahr gemacht werden. Nach insgesamt fünf Seillängen und einigen Abschnitten am laufenden Seil erreichten wir die Schulter der Presanella und eine halbe Stunde später standen wir überglücklich am Gipfel mit 3.558 Meter. Der Abstieg erfolgte dann über den spaltenreichen Gletscher der Westseite. Abgesehen davon, dass er lang war, mussten wir auch noch die eine oder andere Gletscherspalte überwinden. Mit Blasen an den Füßen und blutendem Oberarm kamen wir nach 14h in der Hütte an und es gab Musik und Grappa von Mirco unserem Hüttenwirt. Er hatte uns in der Früh während der Tour mit dem Fernglas beobachtet und gratulierte uns zur begangenen Nordwand.

 

 

RIFUGIO STAVEL/DENZA – EIN GEHEIMTIP IN DER PRESANELLAGRUPPE (Südtirol)

Ich möchte hier das Rifugio Stavel noch einmal besonders bewerben. Der Hüttenwirt und Bergführer Mirco Dezulian ist gebürtiger Südtiroler und bewirtet die Hütte mit viel Engagement in der Presanella-Adamello Gruppe. Was die Hütte besonders macht, ist dass es hier wirklich noch eine herzliche & persönliche Gastfreundschaft gibt und die Hütte bei weitem nicht überlaufen ist. Es gibt mehrere gut gebohrte Klettergärten (auch für Kinder) und Mehrsseillängenrouten im wunderschönen Granit im direkten Umkreis der Hütte. Des Weiteren kann man viele Wanderungen, Gletscher- oder Eisklettertouren unternehmen. Die Hütte gehört zum italienischen Alpenverein und wäre auch ein Geheimtipp für Kurse. Mirco gibt Tipps, hat alle Topos und die meisten Erstbegehungen selber gemacht. Auf Wunsch spielt er gerne die Knöpferlharmonika nach Südtiroler Tradition.  www.rifugiodenza.com    und    www.mircodezulian.it

 

Zurück

© 2014 Alle Rechte vorbehalten.

Erstellen Sie kostenlose HomepageWebnode