Matterhorn Überschreitung

13.08.2017 14:58

(Liongrat Aufstieg 3+ Grad Fels, tw. Mobil  & Fixseile, Hörnligrat Abstieg)

 

„Es gibt viele Gründe das Matterhorn zu besteigen, aber der wesentlichste ist doch das Matterhorn zu besteigen“

Eigentlich war es eine spontane Entscheidung, da wir uns wiedermal nach dem Wetter und den Konditionen richten mussten und diese sollten eben gerade am Matterhorn perfekt sein. Deshalb brachen wir die Lager am Mont Blanc ab und fuhren nach Breuil. Das Matterhorn wird von relativ vielen Personen mittels Bergführer über den Schweizer Hörnligrat bestiegen, deshalb war unser Ziel eine eigenständige Überschreitung über den italienischen Liongrat. Dieser ist klettertechnisch anspruchsvoller, dafür aber auch nicht so stark frequentiert. Man steigt über das Rif. Abruzzi zur Carrell-Hütte auf 3.830m auf. Diese Hütte ist stark exponiert in den schroffen Felsgrat eingebaut und eine Selbstversorgerhütte. Die Überschreitung war für unsere Seilschaft sicherlich eine große Herausforderung und wir wussten nicht von Anfang an, ob wir diesem Berg gewachsen sind. Wir starteten um 4 Uhr früh und mussten uns in der Dunkelheit den Weg suchen. Teilweise war der erste Abschnitt mit Fixseilen versichert, was die Orientierung leichter machte. Teilweise gab es auch mobile Seillängen zu klettern, wo die Wegfindung mit der Stirnlampe etwas schwieriger war. Wir wurden gelegentlich von anderen Seilschaften überholt und konnten uns dann einige Zeit hinten anhängen.  Nach ca. 3-4h kamen wir am Pic Tyndall an. Mittlerweile war es hell geworden und wir konnten die letzten 200Hm bis zum Gipfel einsehen. Dort machten wir eine Pause, da das letzte Stück doch noch relativ anspruchsvoll war. Man darf sich die Kletterei nicht wie in einem Sportklettergebiet vorstellen. Fixseile, eine Leiter oder Tritteisen erinnern manchmal an eine Art Klettersteig, jedoch hat man dicke Handschuhe wegen der Kälte an, die Tour wird mit Bergschuhen geklettert und manchmal sind auch Steigeisen notwendig. Des Weiteren ist es durchaus anspruchsvoll sich auf 4000m an einem Strick 50m hoch zu ziehen. Da geht einem ganz schön die Pumpe... Der Berg wird eigentlich durchgehend am laufenden Seil (oder kurzen Seil) bestiegen, das heißt einen Sturz sollte man unbedingt vermeiden. Nach 7h kamen wir am italienischen Gipfel an (11 Uhr) und wurden von den Emotionen übermannt. Nach einem lauten Jodler in das Tal und einigen Gipfelfotos standen wir am exponierten Gipfel des Matterhorns mit 4.478m, welcher nicht einmal ganz einen Meter breit ist. Links und rechts fällt die Steilwand 1.500 Meter tief ab. So einen exponierten Gipfel sieht man nicht jeden Tag und mir fehlten die Worte:

„Those moments live forever“!

Das Wetter war an unserem Gipfeltag einfach nur perfekt. Wir überschritten den 300 Meter langen Gipfelgrat und trafen noch zwei Seilschaften am Schweizer Hörnligrat. Wir hatten schon viele negative Geschichten über das Gedränge am Hörnligrat gehört, doch scheinbar waren alle Bergführer-Seilschaften schon abgestiegen, deshalb haben wir den Hörnligrat menschenleer(!) erlebt. Wir gingen wieder am laufenden Seil und versuchten immer wieder Köpfl oder Friends zu legen. Dadurch brauchten wir für den Abstieg relativ lange, aber wir wollten einfach nicht hudeln. Der Hörnligrat hatte etwas Schnee und man musste den oberen Teil mit Steigeisen im 1-2 Grad abklettern. Dabei musste man besonders auf die vielen losen Steine aufpassen. Wenn man sich am Hörnligrat befindet, steht man quasi in einer einzigen Geröllhalde. Jetzt kam uns unsere sehr gute Langzeitausdauer zugute. Nach insgesamt 17h stiegen wir endlich aus dem Grat aus und kamen zur Hörnlihütte. Da diese um 21 Uhr kein Abendessen mehr hatte und wir im Hotel Schwarzsee gebucht hatten, gingen wir noch rasch in 1,5h bis zu unserer Unterkunft. Nach dem gelungen Gipfelbier fielen wir erschöpft in unsere Betten. Die Morgensonne weckte uns am nächsten Tag und als wir aus dem Fenster des Hotels blickten, stand das Matterhorn in der goldenen Morgensonne vor uns – ein Monument der Natur, das mit Worten kaum zu beschreiben ist. Kaum zu glauben, dass wir am Tag zuvor da oben gestanden sind…

 

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