Ecuador - Mein erster 5000er

25.07.2016 16:39

Amerika zu teuer, in Nepal gerade Regenzeit (Juli, August), also ab nach Ecuador dachten wir uns - dort gehen die Vulkane über 6000m

Nach dem Mont Blanc war mein Ziel die 5000er Marke auszuprobieren, also planten wir in den ersten 1,5 Wochen uns dementsprechend zu akklimatisieren, um dann unsere Gipfelversuche zu probieren. Da der Cotopaxi gesperrt ist, haben wir uns Iliniza Norte(5126m), Cayambe(5790m) und Chimborazo(6310m) als Hauptziele herausgesucht. Andere Länder, andere Sitten könnte man sagen. Wir haben zwar im Zuge unserer Recherchen gewusst, dass in Ecuador ein Tagesklima herrscht (Keine Jahreszeiten am Äquator)  und es oft regnet oder nebelt, dass aber das ganze Land förmlich ohne Wetterbericht auskommt hat uns dann vor Ort doch verwundert. Selbst erfahrene Bergsteiger und Guides können keine Auskunft geben. Ein Tatbestand, der für jemanden der eine Tour bucht und bezahlt nicht gerade erfreulich ist. Deshalb haben wir unsere Touren überwiegend wieder ohne Guide zusammengestellt und versucht unserem Motto treu zu bleiben. Sicherlich haben wir dabei ein paar Sicherheitsreserven eingebaut, da es in Ecuador keine Helikopter, Bergrettung oder dergleichen gibt (Chimborazo hat mittlerweile einen Helikopter).

 

LOS GEHTS MIT AKKLIMATISIEREN:

In der Hauptstadt Quito (2700m) angekommen ging es nach ein paar Tagen mit der Seilbahn auf 4000m. Von dort konnte man dann den Ruco Pichincha (4698m) besteigen. Keine gute Idee, nach den paar Tagen. Mit Kopfweh, Übelkeit und erfrohrenen Fingern ging es mit der Seilbahn wieder in das warme Tal, wo wir uns schnell erholten. Da ein längerer Aufenthalt in Metropolen nicht nach unserem Geschmack ist, ging es weitere nach Otavallo - also schon in die Nähe des Cayambe. Dort mussten wir versuchen, neben unseren täglichen Höhenwanderungen auch zunehmend in der Höhe zu schlafen. Da wir kein Zelt mit hatten (Großer Fehler), war dies mit Hotelbuchungen äusserst schwierig und ist deshalb nicht zu empfehlen. Wir haben dann doch noch etwas gefunden. Bei der Laguna Cuicoche kann man auf 3200m in einem billigen Hotel schlafen und die wunderschone Kraterlagune in ca. 4h umrunden. Da wir am nächsten Tag keinen weiten Anfahrtsweg in Kauf nehmen wollten, gingen wir die elendig lange Schotterstrasse bis zum Las Antennas(4200m), welche ein Vorgipfel des wunderschönen Cotocachi(4939m) ist. Diesen Gipfel konnten wir leider aufgrund mangelnder Kletterausrüstung und fehlendem Zelt nicht besteigen. Ein weiterer Tipp südlich von Otavallo ist die wunderschöne Anlage La Luna (3000m). Billige Mehrpersonen oder Zweibettzimmer mit gutem Essen und traumhaften Ausblick. Wir kamen sogar in den Genuss des Kaminzimmers. Von dort kann man super Touren auf die Lagunas Mojanda machen. Die Strasse ist furchtbar, aber dort angekommen bestiegen wir den Fuya Fuya I (4263m) und Fuya Fuya II (4279m).

Fazit: Auch wenn man es Trekking, Hiking oder Walking nennt, ich nenne es  einfach nur hatschen, hatschen, hatschen!

 

DIE LEIDEN DES JUNGEN XANDI AM CAYAMBE:

Nun fühlten wir uns fit und voller Tatendrang, also ging es auf zum Refugio Ruales-Oleas-Berge (4600m) auf den Cayambe. Die Fahrt mit dem Geländewagen von Louis durch matschige und steinige Steilstrassen war sehr abenteuerlich, aber das Wetter am Ankunftstag war traumhauft. Vor lauter Glück stiegen wir vom Refugio noch am gleichen Tag bis auf 4820m und machten ein paar Fotos vom riesigen Gletscher. Es sollten die Letzten sein, dass wussten wir aber noch nicht. Voller Elan assen wir mit den anderen Gruppen auf der Hütte unser Abendbrot - um 23 Uhr sollten die ersten Gruppen den Gipfelsturm wagen. In der Nacht war mir nicht ganz gut und ich schlief sehr schlecht. Als ich in dem 3 Grad kalten Zimmer aufwachte, klirrte die grosse Fensterscheibe von dem Sturm der gerade über den Berg fegte und ich dachte mir: Diese Nacht ist sicher kein Gipfelsturm! Scheinbar hatten die bezahlten Guides ein anderes Arrengement mit ihren Kunden. Durch mein Fenster sah ich dutzende Stirnlampen im tosenden Schneesturm den Berghang hinaufgehen und dachte mir: Oh Gott, was hatt den die geritten! Nach ca. 4h waren alle wieder zurück. Sie standen in ihrer vollen Expeditionsausrüstung im Eingang und wirkten halb erfrohren. Alle Gruppen hatten sich vor Gletscherbeginn in eine Scharte gekauert und gewartet, dass der Wind aufhöhrt, jedoch hatten sich ihre Trekkingstöcke durch Feuchtigkeit und Wind elektrostatisch aufgeladen und leuchteten. Sie mussten sie wegwerfen. Auch die Stirnlampen funktionierten dadurch zum Teil nicht mehr. Karin und ich konnten nur voll staunen und Kopfschütteln die Geschichte mit anhören und waren wiedermal froh über unser selbständiges Handeln. Das Wetter wurde nicht besser und unsere Schlafsäcke in der 3 Grad kalten Hütte nicht wärmer. Sie waren zu wenig isoliert für die Temperaturen, also stiegen wir noch einmal in das Tal ab und kauften uns warme Wolldecken. Mit besserer Ausrüstung und mehr Lesestoff ging es am nächsten Tag wieder mit dem Jeep und Lois die 2 Stunden hinauf. Auch die weiteren zwei Nächte und Tage war das Wetter furchtbar. Wie Gefangene sassen wir den ganzen Tag auf der Hütte und starrten aus dem Fenster. Nach 4 Tagen und 3 Nächten gaben wir endlich auf. In der Zwischenzeit hatten wir an die ca. 12 gebuchten Gruppen mit Guide kommen und (gipfellos) gehen sehen. Gerade in der letzten Nacht hatten wir ein kurzes Wetterfenster um zumindest einmal ein Stück richtung Gletscher loszugehen, doch ich bekam in der gleichen Nacht  eine schlimme Darminfektion mit Bauchkrämpfen. Es war aussichtslos - der Berg wollte nicht, dass wir kommen und davon abgesehen, hatten wir schon einen ziemlichen Lagerkoller vom Nichtstuen. Das ganze Projekt Cayambe sicherlich eine traurige Sternstunde unserer Bergsteigerei. Demotiviert, krank und müde stiegen wir mit leeren Händen wieder ins Tal. (Der Caymbe liegt ganz knapp am Amazonasdschungel, weshalb sein Wetter mit der vielen aufsteigenden Feuchtigkeit generell schlecht ist. Im Nachhinein kann man immer gschaid daherreden)

FAZIT: Jede Agentur die in 10 Tagen 8 Gipfelerfolge in Ecuador anbietet ist wettertechnisch unseriös! Jede Agentur sollte eigentlich auf das schwierige Wetter speziell bei allen Vulkanen mit Amazonasnähe hinweisen, auch wenns nicht verkaufsförderlich ist. Wir hatten zwar auch Pech mit dem Wetter, jedoch hatten wir in den 4 Hüttentagen keinen Tagessatz für einen Guide zu zahlen.

 

ILINIZA NORTE - MEIN ERSTER 5000er:

Da wir gegen Ende der Woche den Bruder von Karin trafen und wir jetzt nur mehr ca. 5 Tage für unsere Begehungen Zeit hatten, entschieden wir uns für den Iliniza Norte. Dieser Berg ist in 2 Tagen leicht machbar und das Wetter schien auch gut zu bleiben. Wir schliefen eine Nacht in Machachi, wo wir uns das traditionelle Pferdefest mit ca. 2000 berittenen Cowboys und noch mehr Zuschauern ansahen. Es gab gegrilltes Meerschwein, Stierkampfe, jede Menge Ponchos und viel schräge Blasmusik. Ja, wenn in Südamerika gefeiert wird, dann wird es laut - das ist manchmal lustig und manchmal nicht. Am nächsten Tag fuhren wir mit Carlos wieder 1h die Bergstrasse hinauf, um dann 800Hm zum Refugio Nuevos Horizontes auf 4740m aufzusteigen. Leider hatten wir wiedermal Pech und ein Graupelschauer lies uns 2h lang durch die Hagelkörner aufsteigen. Ich setzte mein Kaperl auf um nicht dauernd von den Softgun-Kugeln im Gesicht getroffen zu werden. Die Hütte war klein, aber dafür mit den vielen anwesenden Gruppen sehr warm. Wir waren frohen Mutes und die Nacht war sternenklar – ein gutes Zeichen. Um 5 Uhr in der Früh ging ich nach draussen um ein paar Nachtaufnahmen mit der Kamera zu machen, dann weckte ich Karin und wir gingen los. Die Tour schien mit 400HM und UIAA II auch nicht so schwer, jedoch war der Berg in Schnee und Graupelkürner gehüllt, was normal nicht der Fall ist. Da der Berg als reine Felskletterei beschrieben war, hatten wir keine Steigeisen und auch keinen Pickel. Wir gingen los und als wir in den Schrofen zu klettern anfingen, kam für mich zum ersten mal Bergsteigerfeeling auf. Karin fühlte sich beim ersten Anstieg körperlich nicht sehr wohl und sagte, dass sie es nicht schafft. Ich solle alleine weitergehen und den Gipfel versuchen. Also kletterte ich an den schneebedeckten Griffen,den Fels hinauf und folgte teilweise den Spuren der anderen Gruppen. Teilweise gab es leichte Gehpassagen, teilweise Kletterei mit Eis, Schnee und Fels. Ich hoffte bei ein paar Passagen, dass ich dort beim Absieg auch wieder abklettern kann.. Ab 5000m spürte ich leicht die Höhe, aber jetzt konnte mich nichts mehr aufhalten. Nach 2h erreichte ich den Gipfel des Iliniza Norte mit 5.126m und die Aussicht war fantastisch. Ich machte Fotos vom Cotopaxi, Iliniza Sur und Chimborazo und genoss meinen aussergwöhnlichen Gipfelmoment. Ja blauer Himmel und Sonne ist in Ecuador nicht selbstverständlich. Ich war schon recht müde, also stieg ich wieder runter vom Berg. Nach 15 Minuten Abstieg stand auf einmal Karin da und rief: Hallo, ich komme! Ich war ganz verwundert, aber gut – dann halt ein zweites mal rauf auf den Gipfel und wir machten Fotos von uns beiden. Das Gute war, Karin hatte das Seil im Rucksack und wir konnten am laufenden Seil absteigen. Was für ein gelungener Tag mit bestem Wetter. Die Mühen der letzten 2 Wochen hatten sich doch noch etwas gelohnt, da ich die Begehung des technischen 5000er mit Schnee, Eis und Fels doch ziemlich easy meistern konnte.

FAZIT: Langweilige und öde Akklimatisation zahlt sich aus. Beim Iliniza Norte sollte man bei viel Niederschlag eventuell Pickel und Steigeisen in Erwaehgung ziehen.

 

CHIMBORAZO - KARIN HAT NOCH NICHT GENUG:

Also meine Wenigkeit war zufrieden, aber auch körperlich und seelisch müde von der Hochebene, aber Karins Traum von einem 6000er lies sie nicht in Ruhe. Jetzt ist sie vor Ort und hat die Chance, dass verstehe ich, aber 1700Hm Aufstieg und ca. 8h Gehzeit auf den 6300m hohen Chimborazo waren mir nach den 2 wöchigen Strapazen und äußerst monotonen Hüttenzeiten einfach zu viel. Ich hatte noch ein bisschen mit dem Bauch zu kämpfen, und rechnete mir auch relative wenig Chancen aus, bei diesem Trip auf eine gute Höhe zu kommen, also sollte es Karin mit einem Guide alleine versuchen. Damit hatte sie mehr Chancen, den sie hatte seit ihrer Ankunft, sehr geringe Höhenprobleme und auch sonst erging es ihr relative gut. Müde vom Iliniza war sie schon, aber wir suchten uns ein angenehmes Hotel in Riobamba und sie erholte sich so gut es geht. Am nachsten Tag traf sie ihren Guide und es ging mit dem Auto auf das Refugio Hermanos Carrel auf 4840m. Ja Carrel und Whymper (Erstbesteiger des Matterhorns) haben hier in Ecuador eine Menge Berge erstbestiegen, da man zur damaligen Zeit noch glaubte, dass sie die höchsten der Welt seien. Der Himalaya war noch gänzlich unbekannt. In gewisser Weise stimmt das auch. Der Gipfel des Chimborazo ist weiter vom Erdmittelpunkt entfernt, als der Mount Everest, da die Erde die Form eines Geoids hat. Karin und ihr Guide fuhren auf das Refugio Carrel, wo sie um 22 Uhr in der Nacht starteten. Der Anmarsch bis zum Gletscher war lang. Der Boden wechselte von losem Schutt in gefrohrenen Schutt und schließlich in Eis. Das seitliche Gehen am Steigeisen kostete ihr viel Kraft und auf 6002m war dann Schluss. Es fehlten noch ca. 2,5h und 300Hm auf den Gipfel, aber schließlich muss man das ganze auch noch Absteigen können. Nach 7,5h (Es war noch immer Nacht) kamen sie wieder zur Hütte. Es sollte noch ein zweiter Versuch folgen, aber auch dieser wurde aufgrund von Neuschnee bei einer Höhe von 5500 abgebrochen. Obwohl Karin der Gipfelerfolg nicht gelungen ist, war es eine tolle Höhe und eine super Leistung.

FAZIT: Der Chimborazo ist ein echt langer und zacher Berg mit seinen 1700Hm von der Hütte weg. Nur 50% ereichen im Schnitt den Gipfel. Du musst nicht nur in der Nacht beim schlafen auf 4700m gut akklimatisiert sein, du musst auch trainieren in einer Höhe von 5000-6000m an die 1500Hm am Stück runterzuspulen und das is in den Alpen schon auf 3000m ganz ordentlich. Bei schwierigen Gletscherverhältnissen sowieso fast unmöglich.

Das Höhentrekking war abenteuerlich und lehrreich, aber jetzt freuen wir uns schon auf ein paar gute Klettertouren in Österreich mit Schnitzel und Bier! Lg. Xandi

 

BERGE              
LAS ANTENNAS  (4.046m, Xandi & Karin)
FUYA FUYA I  (4.263m, Xandi & Karin)
FUYA FUYA II (4.279m, Xandi & Karin)
RUCU PINCHINCHA (4.698m, Xandi)
ILINIZE NORTE (5.126m, Xandi & Karin)
CHIMBORAZO (Versuch Karin bis 6000m)

 

LINKS ZU ECUADOR:

ANBIETER INFO LINK
SIERRA NEVADA Agentur in Quito mit Bergsteigen, Regenwald usw. mit deutscher Beratung www.sierranevada.ec/de/?_expeditions/de
ANINGATRAVEL  Agentur in Banjos mit Bergsteigen, Rafting, Regenwald usw.  www.facebook.com/aningatravelecuador/?pnref=story
WELTBEWEGEND Reisebüro des Alpenvereins Edelweiss. Bieten komplette Reisepakete an www.weltbewegend.at/typo3/index.php?id=35

 

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