Demographische Überalterung und ihre Folgen

20.03.2015 10:18

 

(Angelehnt an den Spiegelbericht Ne.12/14.03.2015 – Es kommen härtere Jahre 2030)

Wenn wir schon bei dem Thema sind, welche Dinge uns auf einer politischen Ebene beschäftigen sollten, dann kann man natürlich viel über Wirtschaftssysteme, Linkspolitik oder Rechtspolitik philosophieren, Wählen oder einfach nur in den Mainstream-Medien die heiße Luft verfolgen in irgendeiner Polit-Talkshow.

Es gibt aber für mich einen gesellschaftlichen Komplex, welcher von allen Mitspielern scheinbar kaum wahrgenommen wird (Politiker & Bürger) und meiner Meinung nach aus dem Politischen (Farben)Spiel ausgeschlossen werden sollte. Eigentlich sind es nur Wissenschaftler, welche mit Zahlen, Daten, Fakten auf einen Tatbestand hinweisen, welcher als einzige Konsequenz ein sofortiges und klares (politisch-überparteiliches) Handeln erfordern müsste. Nein, es geht in diesem Text nicht um die ökologische Nachhaltigkeit, bei dieser würde das selbige zutreffen, es geht um die Zahlen der demographischen Entwicklung, die mittlerweile seit Jahrzehnten auf dem Tisch liegen.

Im Jahr 2030 werden fünf Millionen Deutsche über 65 Jahre sein und damit ein Drittel der Bevölkerungsschicht ausmachen. Diese Verhältniszahlen sind auf Österreich sehr ähnlich anwendbar.

DAS IST NICHT DIE ZUKUNFT, SONDERN IN 15 JAHREN!

Spätestens von diesem Zeitpunkt aus werden unsere Pensionisten nicht nur ein gewichtiges Stimmenpotential für Wahlen sein, sie werden auch der Erwerbstätigkeit fehlen und damit auch dem Staat, sowie der Wirtschaft. Es werden deutlich weniger Menschen mitten im Leben stehen, arbeiten, Kinder erziehen, Autos kaufen, konsumieren, einen Kredit aufnehmen usw. Was diese demographische Veränderung bedeutet kann sich wohl jeder vorstellen – das klingt nicht gerade nach einem Wirtschaftsboom. Der Zuzug der Jungen in die großen Städte ist ungebrochen – mittlerweile wohnen mehr Menschen weltweit in Großstädten (und Zwischenstädten), als am Land, wo die zunehmende Überalterung einsetzt. In manchen österreichischen und deutschen Landregionen fehlt es zunehmend an Schulen, Ärzten, Polizei und selbst die freiwillige Feuerwehr hat ein Problem mit dem Rekrutieren fehlender junger Freiwillige.

Auch das ‚“Mantra“ unseres Pensionsystem funktioniert mittlerweile auch nur mehr auf Schulden. Als das Pensionsystem 1906 eingeführt wurde betrug die durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 45 und 50 Jahre. Wir werden aber nicht nur älter sondern auch gesünder, sprich  die Lebenserwartung steigt derzeit um 2,2 Jahre pro Jahrzehnt. Ein heute geborenes Mädchen in Europa hat relativ gute Chancen 100 Jahre alt zu werden und für 35 Jahre Rentendasein, ist die Versicherung einfach nicht augelegt. Was ist der österreichische Ansatz? Entweder totschweigen oder heftig streiten und quer legen, das alles beim Alten bleibt und wir wieder keine Grundsatzlösungen bekommen. In Ländern wie Schweden, Belgien, den Niederlanden und Polen werden in dieser Hinsicht viel pragmatischere Entscheidungen getroffen. Dort hat man die automatisch steigende Rente verabschiedet und einen Lebenszeitfaktor in alle Berechnungen eingebaut. Damit bekommt jeder Bürger jedes Jahr eine Benachrichtigung, wie hoch seine Rente bei der derzeitigen demographischen Entwicklung und Lebenserwartung ist. Das Mantra der garantierten Rente ist scheinbar in der österreichischen Politik unantastbar, vor allem wenn die Rentner in Zukunft eine stimmgewichtige Gruppe sein werden. Dabei soll es nicht darum gehen, jemanden etwas wegzunehmen – es geht schlicht und einfach darum, dass die Berechnungsmethode der Pension für die derzeitige Entwicklung jetzt schon nicht mehr funktioniert. Zurzeit kommen auf einen Rentner, drei Erwerbstätige, die Steuern zahlen. Dieser Index wird sich bei einem Rentner auf zwei Erwerbstätige verringern.

Vor der österreichischen Wirtschaft, dem Staat und dem Bürger liegen schwere Zeiten durch die demographische Entwicklung, den sie hat bereits angefangen. Wären Regierungen in der Lage ihren Horizont über vierjährige Legislaturperioden hinaus zu erweitern, dann wäre der demografische Wandel ein Treiber für weitreichende Reformen und würde auch gesellschaftliche zu einem Nachdenken führen, ob wir wirklich die richtigen Konzepte von Lernen, Arbeit, Altern, Leben und Sterben haben. Ich würde mir wünschen, gewisse Bereiche von der Politik zu entkoppeln und dort ein wissenschaftliche-neutrales Gremium einfach arbeiten zu lassen. Kein Stimmenfang, keine Wahl, keine Spiele – Einfach nur eine neue Instanz, welche die unausweichlichen, augenscheinlichen und langfristigen Kursänderungen auf Grund von Zahlen, Daten, Fakten möglich macht.

Alexander Gabriel

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