Brief an die Presse "LAWINENUNFALL-STORY"

22.02.2015 17:07

Sehr geehrtes Redaktionsteam,

Sehr geehrte Fr. Mag. Claudia Lagler,

 

LESERBRIEF AN DIE PRESSE (8.02.2014)  BETREFFEND KRITIK AN LAWINENUNFALL-STORY:

In Zeiten des Hamsterrades und des sinnsuchenden Mutbürgers erscheinen Lawinenunfall-Storys als äusserst populär - da hier sehr viele unwissende Leser mitreden können und sich am Unglück (bzw. Leichtsinn) anderer belustigen können. Dennoch möchte ich als Skitourenübungsleiter auf möglichst fachkundiger Weise zu ihrer Story Stellung nehmen:

 

"DAS SCHLIMMSTE WAR DIESE STILLE":

Der Hr. Manfred Brandtner war (wenn ihre Berichterstattung stimmt) bei dem Lawinenunfall alleine unterwegs und wurde scheinbar wegen seiner guten körperlichen Verfassung aus der Lawine geborgen.

Alleine eine Skitour zu gehen, verhält sich genauso wie alleine eine Felswand ohne Sicherung hinaufzuklettern. Es ist weder schlecht noch gut, es hat einfach einen wesentlich höheren Risikofaktor und ist beim Skitourengehen eigendlich dringlichst untersagt. Die gute körperliche Verfassung spielt bei einem Lawinenabgang kaum eine Rolle. Wenn eine Lawine abgeht, hat man schon sehr viel in seiner Vor-Planung falsch gemacht und wenn man sich in der Lawine befindet kann einem nur mehr die Ausrüstung und die sofortige Kameradenhilfe (deshalb nie alleine unterwegs) helfen. Es wäre fachkundig gewesen, wenn der Hr. Brandtner bei seinen Tipps auch den Kardinalfehler dieser Tour (Vorbereitung, Planung, Alleine unterwegs) angegeben hätte und nicht nur auf die Sicherheitsausrüstung hinweist - den die hilft in diesem Fall wenig, wenn ich keinen Kameraden habe, der mich sofort ausgräbt. 

 

"DIE BERGRETTUNG HOLT MICH SCHON RAUS":

Ein weiterer in Zeitungen oft verbreiteter Denkfehler in unserer Vollkaskogesellschaft ist der schnelle und sofortige Einsatz (bzw. Präsenz) der Bergrettung. Wenn ich alleine am Berg in einer Lawine verunglücke, dann kommt einmal prinzipiell niemand. Wenn ich einen Funkruf absetzten kann (oder mein Auto am Parkplatz auffällt), dann muss ich je nach Lage auch zwischen 1-3h rechnen, bis ein Bergretter bei mir ist. Die Bergretter bergen leider zum größten Teil nur mehr Tote, da das Zeitfenster für Überlebende in einer Lawine statistisch zwischen 15 bis 35 Minuten liegt. Die (kleinen) Entscheidungen die du am Berg fällst, haben unmittelbare Konsequenzen und das ist für einige auch der Reiz.

 

"TRIEBSCHNEE UND LEICHTSINN":

"Am Hochkar in NÖ löste ein Snowboarder eine Lawiene aus, die einen Skifahrer auf einer Piste erwischte."

Ein Klick auf die Bergrettungs-HP-NÖ hätte genügt (http://www.oebrd.at/einsaetze/aktuelles/) um in einer 1/2 Minute den richtigen Unfallhergang in ihrer Zeitung wiederzugeben. Zwei Variantenfahrer haben die Lawine ausgelöst. Ein Skifahrer wurde unterhalb auf der Karabfahrt verschütttet - die Variantenfahrer begingen fahrerflucht. 

 

"WELCHE AUSRÜSTUNG":

Der Lawinenball wird schon seit längerem nicht mehr in Fachkundigen Kreisen empfohlen, da auch dieser komplett von der Lawine eingeschlossen werden kann und da es sehr schwer ist in dem pickelharten Schnee der Leine des Lawinenballs zu folgen. Somit ist die Suche viel zu ungenau. Wahrscheinlich stammt auch dieser Bereicht aus dem Presse-Archiv.

 

FAZIT:

Ich gebe zu ich bin ein schlechter Zeitungsleser und nehme auch an, das mein Feedback bzw. meine Stellungnahme in dem stressgeplagten Trubel einer Tageszeitungsredaktion wenig Beachtung finden wird (kann), denn dort wird ja schon wieder die Ausgabe für in drei-Tagen zusammengestellt. Dennoch muss ich für mich als Leser festhalten: Wenn der Recherche-Grad in anderen Rubriken von Tageszeiten (Politik, Wirtschaft...) ähnlich schlecht ist, wie in der oben erwähnten Story, dann werde ich auch in Zukunft mein Wissen lieber aus Büchern beziehen.

 

MAG. ALEXANDER GABRIEL

 

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ANTWORT 1:

 

 

Sehr geehrter Herr Mag. Gabriel, 

herzlichen Dank für ihre Mail und ihre fundierte fachliche Kritik. 

Ich nehme nur zum ersten Punkt ihrer Kritik Stellung, da ich nur diesen Text verfasst habe. Ich stimme in vielen Punkten mit Ihnen überein. Skitouren im freien Gelände des Hochgebirges soll man nie alleine unternehmen, auch wenn man - wie Herr Brandtner - viel Erfahrung hat. Allerdings muss man natürlich auch in Betracht ziehen, dass das Wissen über Lawinen und die Standards der risikoangepassten Verhaltensregeln bzw. der Ausrüstung sich in den vergangenen 30 Jahren weiterentwickelt haben. Ich denke, dass gerade die Geschichte mit Manfred Brandtner nicht populistische Sensationsheischerei bedient, sondern vermittelt, welches Glück der Bergretter hatte, diesen Lawinenabgang zu überleben. Und hoffentlich auch jene zum Nachdenken bringt, die einfach ohne über mögliche Risiken nachzudenken in Tiefschneehänge einfahren und darauf vertrauen, dass im Fall des Falles ohnehin jemand zur Rettung ausrückt. Das kann - wie Sie richtig anführen - eine trügerische Hoffnung sein. Ein zusätzlicher Satz zu den Fehlern bei der Vorbereitung der Tour hätte sicher zur Präzisierung des Textes beigetragen und es auch für Laien noch verständlicher gemacht. 

 

Mit herzlichen Grüßen aus Salzburg

 

Claudia Lagler

 

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ANTWORT 2:

sehr geehrter herr gabriel,

meinen recherchen zufolge wird der lawinenball immer noch verwendet, wenngleich natürlich nicht als wichtigste ausrüstung. da gebe ich ihnen recht. im artikel wurden alle nennenswerten ausrüstungsgegenstände erwähnt, daher auch der lawinenball. der artikel stammt jedenfalls nicht aus dem "presse"-archiv, das kann ich ihnen garantieren.

danke für ihre mail und das aufmerksame lesen unserer artikel.

lg

köksal baltaci

 

 

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